Der Weg nach Hause 

Hallo meine Lieben,

Ich bin seit dem 17.12.2016 wieder in Deutschland. Es ist längst überfällig euch zu schreiben. Sorry for delay!

Am Ende meiner Reise war ich in Bangkok. Ich habe mir die Tempel gespart, die hab ich vor knapp 4 Jahren schon gesehen und denke, dass sich dort nichts verändert hat. Ich habe keine Lust auf dreckige Straßenluft, lange Kleidung bei großer Hitze, und Trauben von Touristen. Ein Glück, dass es Einkaufszentren gibt. Nur 1 Station mit dem Skytrain oder 10 Minuten zu Fuß entfernt.

Die 3 miteinander verbundenen Shopping Zentren sind riesig. Nicht das, was wir kennen. Nein, 6 Etagen, Millionen von Läden, und der ganze Flur wird als Markthalle genutzt. Ich gehe zum MBK. Dem Shoppingcenter im unteren Preissegment. Ich will Asia Kitsch sehen, Schnäppchen schlagen, Feilschen und Mitbringsel kaufen.

Ich marschiere am Morgen los und bin pünktlich um 10 da, die Geschäfte öffnen. Es dauert weniger als 10 Minuten bis ich mir einen GPS Sender im Handy wünsche der mich durch dieses Einkaufszentrum navigiert. Oben und unten kann ich noch auseinander halten, den Rest nicht. Eine Toilette finde ich nach ungefähr 5km des planlosen Umhergeirres, der Eingang durch den ich gekommen bin ist unwiederfindbar verloren.
Ich brauche einen Überblick. Ich fahre erstmal wahllos mit der Rolltreppe von ganz unten nach ganz oben. So kann ich ja mal in jede Etage reingucken. Mein Bedürfnis nach Mitbringseln, Asia Kitsch und Schnäppchen hat sich so gut wie verabschiedet.
Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, was hier wie oft und wo verkauft wird. Eine Inventur würde vermutlich ein Jahr in Anspruch nehmen.

2 oder 3 Kleinigkeiten kaufe ich, die ich im Vorbeigehen entdecke. Meine gedankliche Liste mit Mitbringseln hab ich zerknüllt. Dieses Jahr gibt es nix! Ich kaufe mir eine Jacke, eine Sommerjacke. Glücklich über meine tolle grüne Errungenschaft mit pinken! Reißverschlüssen kommt die Trauer darüber, dass zuhause Winter ist. Aber es wird ja jedes Jahr wärmer und ich feier kurz die globale Erderwärmung in der Hoffnung, dass es gar nicht soooo kalt ist zuhause und ich die Jacke ja mal kurz tragen kann wenn ich zum Aldi fahre.

Und jetzt sind wir bei meinem Die-Reise-nähert-sich-dem-Ende Problem angkommen.
Ich habe viel darüber gesprochen und darüber nachgedacht, dass die Seele langsamer reist, als der Körper.
Und so stehe ich nun um MBK auf der Etage mit den Elektronik Artikeln inmitten von Milliarden Handyhüllen in allen Glitter Farben dieser Welt. Meine Seele liegt vermutlich noch am Strand oder vielleicht steht sie auch noch in Trat am Wasserfall und passt darauf auf, dass die Flipflop Füße von keiner Schlange gebissen werden. Und was machen meine Gedanken? Die fahren in Köln in der neuen Jacke zum Aldi einkaufen und fragen sich ob ich nach 4 Wochen ohne, wohl noch Wasser mit Kohlensäure mag.

Ich gehe zurück ins Hostel. Durch den ersten Ausgang den ich finde. Auch wenn ich es oft versucht habe zu vermeiden, ich schmeiße das Handy an und lasse eine App den Weg zurück finden. Es ist laut ubd warm und mein Kopf tut weh und meine Seele, mein Körper und meine Gedanken sind in 3 geteilt.
Ich lege mich hin um mich auszuruhen.
Ich werde bald zuhause sein ubd darauf freue ich mich. Aber ich bin so traurig, dass die Erfahrung und die Reise und die Eindrücke nun vorerst ein Ende erreicht haben.
Die nächsten beiden Tage verlaufen ähnlich. Ich bin damit beschäftigt, Ruhe zu finden. Vergebens. In meinem 16er Schlafsaal ist es 24 Stunden laut. Irgendjemand packt, sortiert, kommt oder geht immer. Manchmal sind es auch die Zimmernachbarn, die sich morgens um 6.45 im Bett die Haare föhnen müssen…obwohl das Bad nebenan ist. Manchmal sind es Deutsche die nachts um 3.30 Uhr betrunken heim kommen und ich unfreiwillig mitbekomme wer wen mit wem verkuppelt hat und wer wann wo geschlafen hat und wer bei wem ins Bett gekotzt hat weil das alles nochmal lautstark besprochen werden muss. Danke, die Infos brauche ich um 3.30 Uhr in der Nacht dringend.

Auch in den Gemeindchaftsbädern ist msn nicht allein. In den Aufenthaltsbereichen auch nicht. In den Fressmeilen der Shopping Zentren auch nicht. Auf der Straße auch nicht.
Ein kleines süßes Café mit Innenhof und Hängematte gibt es nicht. Vielleicht irgendwo aber nicht in meinem fußläufigem Radius rund ums Hostel.

In den nächsten Tagen blieb ich den großen Einkaufszentren fern und orientierte mich in der entgegen gesetzten Richtung. Gleich viel besser. Alles ein bisschen Kleiner, alles für Einheimische gemacht wodurch 90% des Krams für mich uninteressant werden. Prima, die Sachen die für mich interessant sind, sind nun deutlich weniger und ich kann mir alles entspannt ansehen. So bekomme ich in Bangkok dann doch noch einen wunderbaren Abschied.

An meinem letzen Abend mache ich mich auf zum Flughafen. Die neue grüne Jacke unterm Arm.
Am internationalen Flughafen in Bangkok erfahre ich, dass mein Flug 4 Stunden verspätet ist. Heißt, dass mir in Abu Dhabi nur 2 Minuten zwischen Ankunft und Weiterflug bleiben.
Ich gebe mein Gepäck auf und richte mir ein Plätzchen für ein Nickerchen ein. Mit der neuen grünen Jacke als Kopfkissen. 

In Abu Dhabi drängel ich mich aus dem Flugzeug raus. Am Ausgang steht eine Dame mit einem Schild auf dem dick und fett „Düsseldorf“ steht. Zum ersten mal im Leben erkläre ich zielsicher, dass ich unbedingt noch mit nach Düsseldorf möchte…in 2 Minuten. Für eine Erklärung, dass ich eigentlich nicht nach Düsseldorf sondern in mein geliebtes Köln möchte, bleibt keine Zeit. Hoffentlich hat mich keiner gesehen. Ich soll rennen, bedeutet sie mir und weist mir die Richtung. Also los. Einmal quer durch den Airport von Ankunft zu Abflug durch den Transit Bereich.

Vor mir sehe ich eine Menschentraube. Sicherheitskontrolle. Wie oft soll ich denn noch kontrolliert werden. Und wo soll ich mir zwischenzeitlich was illegales besorgt haben?!
In der Schlange „Economy“ stehen zu viele Leute. Ich hab keine Zeit. Ich renne durch den „Business“ Eingang und vorne, da wo die beiden Wege aneinander vorbei führen springe ich schnell zurück in die Ecobomy Schlange. Schnell drängel ich mich vor ubd bin die nächste die sich in Abu Dhabi einmal im Nacktscanner präsentieren darf. Gott sei dank, nichts piept. Und weiter gehts. Sorry an alle, die sich über mich geärgert haben weil ich mich vorgedrängelt habe.

Ich höre mich im final call, finde das Gate und werde schnell mit einem Auto zum Flugzeug gebracht. Ich bin drin. Und kommme fast pünktlich nach Hause.
Ich bin nicht sicher ob mein Gepäck auch rechtzeitig umgeladen wurde. Aber ich erinnere mich, dass es schon in Bangkok mit nem dicken roten Klebezettel versehen wurde weil die Verspätung ja dort schon bekannt war. Am Nachmittag deutscher Zeit lande ich in Düsseldorf. Mein Gepäck ist auch da und ich verlasse den Zollbereich.
Draußen überraschen mich meine Schwester mit Mann und meinen beiden Neffen. Mit Heliumballon. Ich freue mich riesig.

Ich kann es nicht abwarten zu sehen, ob meine Neffen die neuen Feuerwehr-Schlafanzüge mögen. Die Mitbringsel müssen sofort ausgepackt werden.

Und dann geht’s ab nach Hause. In mein Köln. In meine Wohnung. Mit meinem Bett und meinem Bad. Ubd alles werde ich ganz alleine haben.

Und dann bin ich wieder da.
Ich hab es geschafft. 4 Wocgen alleine durch Asien zu reisen und am Stück wieder nach Hause zu kommen.

Alles was jetzt noch fehlt ist die Seele. Die jetzt da ist aber am Tag meiner Rückkehr vermutlich noch in Bangkok saß.


2 Gedanken zu “Der Weg nach Hause 

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