Leben im Paradies

Guten morgen aus Sihanoukville!

Ich bin gerade aufgestanden und hab mich fertig gemacht und warte nun auf mein Frühstück. Ich bin seit gestern nachmittag wieder am Festland.

3 Nächte hab ich auf der Insel Koh Rong Sanloem verbracht. Es war einfach wunderbar.
Ich hatte meinen kleinen Bungalow ganz für mich alleine. Naja fast. Ich hatte einen Mitbewohner. Pünktchen. Ein Gecko mit großen Kulleraugen, gepunktet und so ca. 25 cm groß. Süß. So ganz sicher war ich mir aber nicht wie man mit so einem Gecko umgeht. Ich hab ihm daher vorgeschlagen kostenfrei bei mir wohnen zu dürfen und dafür hätte er nur alle Spinnen und Mücken zu essen. Er war einverstanden. Ich hab in diesem Bungalow weder eine Spinne gesehen, noch nen Mückenstich bekommen. Guter Job, Pünktchen!

Zu dem Bungalow gehörte ein Gemeinschaftsbad. Es gab einen Raum zum Duschen. Gemauert mit ein paar Duschköpfen an der Wand. Im Vorraum gab es 4 Waschbecken und 2 Toilettenkabinen. Das Wasser aus den Hähnen/ Toiletten war dunkelorange. Aber auch damit konnte ich mich gut arrangieren. 
Keine Ahnung woher das Wasser kommt und warum es täglich in allen Nuancen von gelb bis orange wechselt. Aber es war definitiv nicht verseucht. Ich hab mir damit auch die Zähne geputzt und bin gesund geblieben. Man sollte sich weniger Gedanken machen. Die 3 Bakterien die beim Zähneputzen in meinen Magen gelangen, damit wird der Körper schon fertig!

Ich hab den ganzen Tag am Strand verbracht und nichts getan. Das hatte ich ja schon angekündigt. Mit meinem Handtuch hab ich es mir unter einer Palme gemütlich gemacht und konnte so immer mal wieder zwischen Sonne und Schatten wechseln. Ich beobachte das stille Leben am Strand. Ein einheimischer Mann gehlt an mir vorbei und zieht einen aufgeschnittenen Kanister hinter sich her. Wie einen Schlitten. In der anderen Hand hält er einen langen angespitzten Stock, damit pickt er vertrocknete Blätter auf die er in dem Kanister sammelt. Er hält den Strand sauber. Er trägt dazu bei, dass der Strand so schön bleibt, wie er ist. Ich gehe den Strand entlang. Aber außer vereinzelten Bungalows und kleinen Strandrestaurants gibt es nichts.

Am Abend teile ich den Tisch mit Anett aus Schweden und Jenny aus Schottland. Ich unterhalte mich mit den beiden.
Wisst ihr was das anstrengende am Alleinreisen ist?! Man fängt mit jedem Menschen wieder bei Null an. Hallo, ich heiße Julia. Bin 30. Komme aus Köln. Habe insgesamt 4 Wochen. War schon in Siem Reap und Phnom Penh und was ich als nächstes mache weiß ich noch nicht. Dann höre ich das gleiche der anderen, mache mir aber gar nicht mehr die Mühe mir alles zu behalten. Die letzten 2 Wochen haben mir gezeigt, dass das eh keinen Sinn macht. Ich merke mir den Namen und in welcher Sprache ich sprechen muss. Das reicht.
Ich gehe schlafen. Pünktchen wartet schon. Sehr gut. Ein verlässlicher Gecko. Ich erinnere ihn kurz an unsere Abmachung und gehe schlafen.

Am nächsten Tag bekomme ich einen deutschen Nachbarn. Also einen neuen Nachbarn in dem Bungalow neben meinem. An seinem Akzent erkenne ich gleich, dass er aus dem Pott kommt. Na, immerhin nicht aus Düsseldorf!

Wir machen uns, zusammen mit den 2 anderen Damen, auf den Weg zum Lazy Beach. Auf der anderen Seite der Insel. Motorisierten Verkehr gibt es nicht. Wie auch, ohne Straßen. Die Insel besteht aus Dschungel und rundherum…halt eben aus Strand. Wir müssen durch den Wald. Hier gibt es alles. Affen und Schlangen und all so ein Getiers. Wir sehen davon nichts. Vermutlich deswegen weil wir zu laut sind. Mein Ruhrpott Nachbar redet und lacht ebenso laut wie ich.
Am Lazy Beach ist es wirklich schön. Und es gibt ein Restaurant. Und ich sehe ein Schild mit der Aufschrift „Mask & Snorkel & Fins for rent 2$“
Mein Herz rast. Scheiß auf die Angst und die Erfahrungen des letzten Jahres. Ich bin dabei! Und 20 Minuten später schnorchel ich fröhlich durch das Meer vor der lazy beach Bucht und bin glücklich.

Abends sitzen wir zu dritt am Strand, trinken Bier und bauen Angkor Wat aus Sand nach. Ich spiele die Fc Hymne an. Und die Frau aus Schottland dudelt fröhlich die Melodie mit. Wie kann es denn sein, dass eine Schottin meine FC Hymne kennt? Sie sagt es ist ein schottisches Lied und sei sicher von Köln geklaut. Wir fragen google. Sie hat recht. Muss ich erst nach Kambodscha fahren um mehr über die Ursprüngeder Fc Hymne zu erfahren. Aber wie dem auch sei…die Version der Höhner ist in jedem Fall besser als das Original. Keine Diskussion.

Am nächsten Morgen packe ich meinen Rucksack zum x-ten Mal zusammen. Und mache mich auf den Weg zum Pier um auf mein Speedboot zu warten. Verspätet. Ich hatte euch ja schon erzählt, dass man es hier mit der Pünktlichkeit eher flexibel hält. Aber das hat nichts damit zu tun, dass das hier nicht wichtig ist. Hier bekommt eben alles die Zeit, die es braucht. Das wurde mir beim Frühstück an dem morgen besonders deutlich. Ich hatte einen Obstsalat bestellt und sah dem Herrn zu wie er ihn zubereitete. Ich habe noch nie gesehen wie jemand mit so viel Ruhe und Geduld das Obst schneidet . Ich bekomme mein Obst wenn es fertig ist. Nach der Zeit die die Zubereitung braucht. Ich habe die ganzen Tage kaum auf die Uhr geschaut. Man lebt hier sehr intuitiv. Man isst, wenn man Hunger hat. Man schläft, wenn man müde ist. 
Mein Boot kommt. Ich steige ein und bekomme den letzten freien Platz. Neben einem jungen Holländer auf den 2 Sitzen neben dem Kapitän. Ganz vorne. Die Seiten sind vorne im Boot geschlossen. Hinter mir, da wo das Boot offene Seiten hat tragen wieder alle brav ihre Schwimmwesten. Ich denke an die Hinfahrt bin aber beruhigt, dass der Sturm der aus Vietnam kam, nun vorüber sein müsste.
Denkste!
Die ersten 10 Minuten ist die Fahrt nur etwas wild. Der Holländer, dessen Name ich nicht kenne, und ich albern rum. Wie ne Achterbahnfahrt. Wäre ich Achterbahningenieur hätte ich jetzt ne super Idee für ein neues Fahrgeschäft im Phantasialand gehabt. Bin ich aber nicht.

Der Kapitän wirkt sehr konzentriert, da er aber sehr klein ist sitzt er auf einer Schwimmboje die zwischen seinem Hintern und dem eigentlichen Sitz klemmt.
Die Wellen nehmen zu. Das Boot fliegt durch die Luft, hinter mir schreit ein Mann. Plötzlich finde ich das alles gar nicht mehr so lustig und auch mein Holländer neben mir verliert sein Lächeln. Er erklärt mir, dass der Kapitän ganz sicher weiß was er tut nachdem ich ihm offenbare, dass mir schlecht wird. Ich kann mich kaum festhalten frage mich aber noch, ob es wohl vorne im Boot ein schlimmeres Gefühl ist als hinten. Ich will einen Witz machen und den Holländer fragen ob wir wohl im gleichen Flugzeug nach unserer Bergung nach Hause überführt werden. Ich weiß aber nicht was Überführung auf englisch heißt also lasse ich das.
Ich frage ihn nur ob er bitte seine Schwimmweste mit mir teilen kann. Ich hab nämlich keine…nur so für den Fall. Er lächelt mich an, klar kein Problem aber wir würden sie ja eh nicht brauchen.
Ich ziehe sie weg und stelle sie vor meine Füße. Anziehen kann ich sie nicht weil ich dafür beide Hände bräuchte ich mich aber gerade gut an der Kante des Sitzes festgeklammert habe. Der Kapitän lacht. Der soll aber nicht lachen sondern dafür sorgen, dass ich lebend an Land komme.
Der Holländer ist irgendwas zwischen 18 ubd 21 denke ich. Der hat ja gut reden, in dem Alter denken sie alle noch sie seien unsterblich!

Irgendwann erreichen wir den Windschatten des Festlandes. Es wird ruhiger und scheinbar wurden meine Stoßgebete auf ein neues erhört.

Ich muss mich an Land erstmal auf den Boden setzen und warten bis sich mein Magen neu sortiert hat. Später laufe ich zum Hostel das ich vorab reserviert habe. Ich freue mich über eine saubere Dusche, gehe essen und zur Massage und dann ins Bett.
Heute morgen fühle ich mich großartig. Mein letzter Tag in Kambodscha. Morgen gehts weiter nach Thailand. Ich brauche ein Souvenir für mich als Andenken an dieses tolle Land mit den vielen neuen Erfahrungen die ich gemacht habe. Und ich muss einen Bus buchen. Eigentlich wollte ich die ganze Strecke mit dem Boot fahren. Aber davon bin ich seit gestern weg. Um nach Koh Chang, meine nächste Station, eine thailändische Insel zu gelanden muss ich zwar auch wieder das Boot nehmen aber das erste Stück nehme ich den Bus. Und an das Boot denke ich erst wieder wenn es soweit ist.
Mein Fazit des gestrigen Tages: ich werde niemals zum Bootsfahrer umschulen!

Zum letzten mal einen lieben Gruß aus Kambodscha! Bis bald in Thailand.

Hugs & Kisses
Julia


2 Gedanken zu “Leben im Paradies

  1. Hey wir waren auch mal unsterblich. Sind wir jetzt alt? Nein wir freuen uns nur über ein geregeltes und ordentliches Leben 🙂

    Es war wieder einmal herrlich von dir zu lesen. Ich bin gespannt wie deine nächste Bootsfahrt endet. 🙂

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  2. Hey Julia. Schön das du Pünktchen kennen gelernt hast. War bestimmt ein toller Kumpel in Punkto Insekten.

    Nun hast du schon zwei abenteuerlich Bootsfahrten hinter dir . Die dritte wird bestimmt ruhig und langweilig. Hoffe ich zumindest.

    War schön wieder von dir zu hören. Weiterhin viel Spaß und gute Reise. 😘

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