Von Siem Reap nach Phnom Penh

Am Abend des 23ten hielt ich mich ab 22 Uhr wie verabredet für den Pick up zum Nachtbus bereit. Hier handhabt man es anders mit der Pünktlichkeit als in Deutschland. hier gestaltet man Pünktlichkeit eher flexibel. Der Nachtbus sollte um 23 Uhr abfahren. Gegen 22.50 kam dann ein Tuktul Fahrer der wissen wollte wer zum Nachtbus wolle. Mit mir meldeten sich 3 weitere Personen. Das Problem: 4 Personen samt Gepäck passen nicht in ein Tuktuk. Also bat mich der Herr zu warten. Er wollte die anderen 3 wegbringen und mich im Anschluss holen. Ich war ziemlich müde und k.o. von dem Tag und verspürte langsam aber sicher leichte Rückenschmerzen. Immerhin habe ich den ganzen Tag im Tuktuk auf unbefestigten Straßen verbracht und auf einfachen Holzbrettern auf dem Boot. Mein verwöhnter deutscher Rücken kennt ja nur ergonomische Bürostühle, und gefederte Autos. Ok. Ich will nicht klagen, wird schon gut gehen und gleich liege ich im Nachtbus.
Das Tuktuk kam ein paar Minuten später wie verabredet zurück, ich sprang rein und los gings. Zweimal links, einmal rechts und ich sah den Bus. Ja, die Information ist wichtig, dass man von außen tatsächlich annehmen konnte es handel sich um einen Bus.
Ich ging mit meinem Ticket zum Busfahrer und bekam den Anschiss meines Lebens. Ob ich mal auf die Uhr geschaut hätte…es sei 23.15 Uhr und Abfahrtszeit wäre 23 Uhr gewesen. Ich weiß nicht wie mir das gelungen ist aber ich habe es geschafft dem Busfahrer ziemlich deutlich zu machen das ich seit 22 Uhr gewartet habe. Der Tuktuk Fahrer hat wohl behauptet ich wäre nicht da gewesen und er hätte überall nach mir gesucht. Ich hab dem Busfahrer die Karte vom Hostel entgegen gehalten und ihn aufgefordert im Hostel anzurufen. Er gab dann kleinbei und behauptete mir zu glauben. Mein großer Rucksack wurde zwischenzeitlich von einem anderen Herrn verstaut und ich stieg mit Handgepäck ein. Nach der ersten Stufe bekam ich eine gelbe Plastiktüte vor die Füße geknallt. Ob die wohl glauben ich müsse mich vom Busfahren übergeben? Mit Händen und Füßen erklärte mir ein anderer Herr ich müsse die Schuhe ausziehen und dort hineinpacken. Ok mein Fehler. Aber liebe Leute, bitte sprecht doch mit mir. Ich denke kurz an die unfreundliche Dame vom Flughafen die mir den Visa Antrag vor die Nase geknallt hatte und frage mich ob sie wohl mit dem Busfahrer verwandt ist.

So, dann wollen wir mal. Schuhe sind verpackt und mein ganzer Körper schreit nach Schlaf. Ich steige die Treppe im Bus hoch…und traue meinen Augen nicht. Hätte ich den Bus nicht von außen gesehen und ihn eindeutig als solchen identifiziert- ich schwöre euch ich hätte erzählt das ich ner rollenden Wellblechhütte gereist bin.
Ein normaler Bus wurde in der Höhe durch zwei geteilt, so dass sich eine obere und eine untere Ebene ergab. Darin jeweils Schlafkojen. Gut. Werde ich hinbekommen. Die Betten sind ca. 1 Meter mal 1,50 Meter groß und ich suche meine „Box“. Sie ist besetzt. Mir wird klar, dass jede Box doppelt vermietet wurde und ich über nacht den 1×1.5 meter Matratze nicht nur mit jemand fremden, sondern auch noch mit dem Handgepäck teilen muss. Ich habe aber Glück da ich meine Box mit einer netten Vietnamesin teile.
Jetzt stellt euch mal vor wie wir beide, dicht aneinander mit angewinkelten Beinen Platz nehmen und versuchen unsere Rucksäcke unter die Beine zu schieben. Das Licht im Bus geht aus, Fenster gibt es keine und der Bus setzt sich in Bewegung. Das ist nun meine Position für die nächsten 5 Stunden. Und ich muss Pipi.
Nach etwa 2 Stunden halten wir an einer Raststätte. Ich steige aus und vertrete mir die Beine.
Ihr kennt die europäischen Raststätten Toiletten…ich führe nicht weiter aus wie das in Kambodscha aussieht. Nach 10 Minuten wird zum Wiedereinsteigen aufgefordert. Und weiter gehts. Ich döse weg aber finde keinen richtigen Schlaf. Irgendwann ruft jemand „Phnom Penh“. Meine Haltestelle. Ich steige aus, mein Rucksack wurde bereits ausgeladen. Es ist morgens um 5. Es ist dunkel. Warum sind wir schon hier? Wir sollten doch erst um 7 oder 8 ankommen. War wahrscheinlich ein Fahrer mit Bleifuß. So stehe ich nun morgens um 5 in Phnom Penh an einer Straßenecke vor einem geschlossenen Supermarkt. Na Bravo. Kurz schleichen sich die Reisewarnungen des deutschen auswärtigen Amtes in mein Bewusstsein – geht weg! Angst ist nicht der Partner den ich gerade brauche.
Ich finde ein Tuktuk und verhandel den Preis zu meinem Hostel. Es geht los. Nach ein paar Minuten kommen wir an. Der Tuktuk Fahrer möchte mich gerne zu den Killing Fields bringen, zum Königspalast, zum Museum…hallo? Es ist kurz nach 5 am morgen. Er fragt ob denn am Nachmittag? Nein, morgens um 5 treffe ich keine Entscheidungen die weitreichender sind als max. 10 Minuten.
Im Hostel werde ich sehr lieb empfangen, bekomme einen Kaffee und schlafe auf dem Sofa in der Lobby. Check in ist erst ab 14 Uhr.


2 Gedanken zu “Von Siem Reap nach Phnom Penh

  1. Willkommen in Asien. Es macht nach wie vor so richtig Spaß deine Einträge zu lesen. Als wäre man mittendrin im Geschehen und man nimmt sogar die Gerüche wahr. 😊

    Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, das trotz chaotischer Umstände es zum Schluss doch alles seine Ordnung findet.

    Ich freu mich für dich, dass du die Reise angetreten hast und die Welt siehst, ob äußerlich oder innerlich.😉

    LG
    Marco

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  2. Es liest sich wie Reiseroman. Macht Spaß. Bin schon gespannt wie es weitergeht. 😀😘

    Wenn man solch eine Reise antritt muss man die deutsche Ordnung und Gründlichkeit über Bord werfen. 😎

    Ich finde es toll das du es alleine wagst eine solche Reise anzutreten. Den Mut hätte ich nie gehabt. Taffes Mädel. 👍

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